22. August 2021 / Aus aller Welt

Wachsendes Corona-Risiko für Ungeimpfte - «3G» ab Montag

Geimpft, getestet, genesen - ohne einen entsprechenden Nachweis kommt man ab Montag kaum noch in eine Gaststätte oder ins Kino. Corona macht ganz überwiegend Ungeimpfte schwer krank.

An der Kinokasse: «Bitte Nachweis vorlegen: Getestet, Geimpft, Genesen».

Corona breitet sich in Deutschland wieder stark aus und bedroht vor allem ungeimpfte Menschen. Gleichzeitig gilt ab Montag weitgehend «3G»: Zutritt zu öffentlichen Innenräumen gibt es bei hohem Infektionsgeschehen nur noch für Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete.

Gemäß einer Vereinbarung von Bund und Ländern schreiben die Bundesländer «3G» für Kliniken, Pflegeheime, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Friseure, Hotels und etwa in Restaurants oder bei Veranstaltungen vor.

Sieben-Tage-Inzidenz weiter gestiegen

Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Samstag erstmals seit Mai wieder über 50. Am Sonntag hatten sich 54,5 pro 100.000 Menschen innerhalb sieben Tagen neu mit Corona infiziert. Das Land mit der stärksten Steigerung ist derzeit mit Abstand Nordrhein-Westfalen mit 99,2, gefolgt von Berlin mit einer Inzidenz von 67,3. Flächenländer wie Baden-Württemberg (46,6) und Bayern (41,1) liegen unter dem Bundesschnitt. Die Zahl der Klinikpatienten mit Corona steigt. Vor allem 35- bis 59-Jährige sind betroffen. Fast alle Infektionen gehen auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurück.

Menschen mit vollem Impfschutz erkranken dabei nur vergleichsweise selten an Corona und sehr selten schwer, wie eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt. Zwar gab es seit Februar mehr als 13.000 Infektionen trotz Impfung. Nur 2,4 Prozent der Corona-Intensivpatienten von 18 bis 59 Jahren waren zuletzt aber voll geimpft. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Für Geimpfte ist die Situation weiterhin vergleichsweise entspannt.» Insgesamt zählte das RKI seit Pandemiebeginn knapp 3,9 Millionen Corona-Infektionen.

Impftempo hat nachgelassen

Menschen Anfang 20 - die im Schnitt wesentlich seltener geimpft sind - steckten sich zuletzt mehr als zehn Mal häufiger an als jene zwischen 65 und 84 Jahren. Das Impftempo in Deutschland hatte in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. 58,8 Prozent der Menschen sind vollständig geimpft, 63,9 Prozent mindestens einmal. Zeeb erwartet eine bundesweite Inzidenz von 100 in gut zwei Wochen.

In Bayern will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Coronakurs nicht mehr nur an der Inzidenz ausrichten. «Aufgrund der hohen Impfquote ist die Methodik der ersten drei Wellen, also sich nur auf die Inzidenz zu konzentrieren, nicht mehr passend», sagte Söder der «Mediengruppe Münchner Merkur tz» (Samstag). Stattdessen soll künftig die Lage in den Kliniken maßgeblich berücksichtigt werden und «eine Art Krankenhaus-Ampel» die rote Linie vorgeben.

In Baden-Württemberg dürfen alle Menschen bereits seit vergangenem Montag unabhängig von der Inzidenz wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen - vorausgesetzt, sie sind geimpft, genesen oder getestet. Bevor in Bayern ähnliche Regeln greifen, wird dort «3G» ab diesem Montag ab einer Inzidenz von 35 vorgeschrieben. Unter anderem auch in Rheinland-Pfalz oder Hamburg soll die «3G»-Regel ab Montag gelten, in Niedersachsen ab Dienstag, in Berlin gilt sie bereits seit Freitag für mehr Bereiche als zuvor schon.

Mit «3G-Regeln» durch Herbst und Winter

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schließt künftige Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für Genesene und Geimpfte aus. Ziel sei es, mit Abstand, Hygiene und Masken im öffentlichen Raum, «3G-Regeln» in Innenräumen «und Impfen, Impfen, Impfen ohne weitere Maßnahmen durch den Herbst und Winter zu kommen», sagte er am Freitagabend bei einem virtuellen Besuch bei der CDU Wiesbaden. Wirtschaftsminister Peter
Altmaier (CDU) sagte der Funke-Mediengruppe: «Nach allem, was wir heute wissen, können wir einen neuen Lockdown für Geimpfte und Genesene vermeiden.»

Nicht zufrieden sind Hotels und Gaststätten mit «3G». Die Regeln bedeuteten mehr Aufwand, Umsatzeinbußen drohten, sagte die Geschäftsführerin ihres Verbands Dehoga, Ingrid Hartges, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
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