29. Mai 2021 / Allgemein

Wallmauer der historischen Zitadellenanlage Wesel wird saniert

Wesel App NEWS

Geschichte der Wallmauer der historischen Zitadellenanlage
Die Zitadelle ist ein Teil der ehemaligen Festungsanlagen von Wesel. Sie wurde auf Befehl des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg ab 1688 in Form eines fünfzackigen Sterns als zentraler Verteidigungsplatz in den westlichen Provinzen errichtet. 

Die gut geschützten Innenflächen boten in strategisch günstiger Lage am Rhein Platz für Versorgungseinrichtungen sowie Lager für Waffen und Munition. Zudem demonstrierte die Anlage die Macht der neuen Landesherren.

Die Gesamtanlage der Zitadelle entstand nach Plänen des französischen Ingenieurs Jean de Corbin. Teilweise sollen bis zu 1500 Mann und 150 Pferde zum Bau der Anlagen eingesetzt worden sein. Millionen von handgestrichenen Ziegelsteinen waren nötig. Die Fertigstellung der Gesamtanlage zog sich bis in das 19. Jahrhundert hinein. 

Nach zwei Jahrhunderten wurden der Rayonbezirk und ein Teil der Festung durch die Aufhebung der Festungseigenschaft („Entfestigung“) zivil nutzbar. Ab 1890 brach die Stadt die Festungswerke ab und verfüllte über Jahrzehnte die ca. fünf Meter tiefen Festungsgräben („Einebnung“), um das Gelände nutzen zu können. Durch das Ende des Rayons konnte die Stadt Wesel endlich über die Grenzen der Innenstadt wachsen.

Erster Weltkrieg
Als Folge des Ersten Weltkrieges durften gemäß dem Versailler Vertrag nur einige Gebäude innerhalb der Zitadelle erhalten bleiben. Die übrigen Anlagen mussten gesprengt werden.

Heute noch erhalten sind das Haupttorgebäude (mit Kurtine, Brücke, Tenaille und Graben), die Garnisonsbäckerei No. II, die Kaserne No. VIII, das Körnermagazin sowie das Offiziersgefängnis (heute in Privatbesitz). 

Bombardements 1945
Zwischen dem 01. Februar und dem 23. März 1945 wurde Wesel massiv bombardiert. Die Innenstadt war fast vollständig zerstört. Neben der Zitadelle konnten nur wenige stadtbildprägende Gebäude wie das Berliner Tor, der Wasserturm und der Willibrordi-Dom trotz zum Teil starker Beschädigungen erhalten und wiederaufgebaut werden. Sie sind heute die verbliebenen baulichen historischen Wahrzeichen der Stadt Wesel. 

Heutige Bedeutung der Zitadellenanlage
Heute ist die Zitadelle als Baudenkmal und Kulturzentrum ein wichtiger Anlaufpunkt in Wesel. An den Wallmauern der Zitadelle lassen sich die Dimensionen der damals äußerst mächtigen Anlage erleben. 

Viele der älteren Weseler Bürger*innen verbinden mit der Zitadelle Kindheitserinnerungen. So wurde nach einer Instandsetzung des Daches die alte Bäckerei (bezeichnet „Baeckerey“) ab Februar 1956 von sieben unterschiedlichen Jugend-Gruppen (unter anderem den St. Georgs-Pfadfindern, der Sing- und Spielgemeinschaft Eichendorff oder der Gewerkschaftsjugend) genutzt. Jahrzehntelang dienten die Räume als Anlaufpunkte vieler Kinder und Jugendlicher in Wesel. Bis März 1998 nutzte das städtische Jugendzentrum dieses Gebäude. 

1969 wurde die Musik- und Kunstschule gegründet. Auch sie nutzt seit langem einen Teil der Zitadelle. So entwickelte sich dieses Ensemble insgesamt zu einem bedeutenden Kulturzentrum. 

Das Haupttorgebäude beherbergt inzwischen Künstler*innen-Ateliers sowie mit der Schill-Kasematte einen Teil des Städtischen Museums. In der „Baeckerey“ befindet sich heute das Stadtarchiv. Östlich der Schillstraße liegt die ehemalige Kaserne VIII. Hier sind die Restaurierungswerkstatt des Stadtarchivs und die Musik- und Kunstschule der Stadt Wesel untergebracht. Die westlichen Kasematten (Gewölbe zwischen dem ehemaligen Körnermagazin und dem Haupttorgebäude) wurden von 2019 bis Anfang 2021 umfangreich saniert, um sie als besondere Abteilung des Städtischen Museums Wesel zu nutzen. Hier können sich zudem schon bald Paare das JA-Wort geben. In der Kaserne VIII kann man bereits seit vielen Jahren heiraten. 

An die westlichen Kasematten schließt sich im Bereich des ehemaligen Körnermagazins das LVR-Niederrheinmuseum an. Seit 2002 ist der Bereich rund um die Zitadelle zudem der wichtigste Veranstaltungsort im Rahmen der Weseler Kulturnacht. Die historische Kulisse wird zudem häufig als Fotomotiv genutzt.

1982 wurde die Zitadelle in die Denkmalliste aufgenommen. 

Sanierungsbedarf der Wallmauern
Die Wallmauer (Kurtine) bildet die Rückwand des Haupttorgebäudes einschließlich der Kasematten (Gewölbe unterhalb des Haupttorgebäudes). Die Mauer weist eine Neigung von 15° auf. Die Mauerschale ist so konstruiert worden, dass sie zum Beispiel im Falle eines Angriffs mit Kanonenkugeln die Wirkung von einschlagenden Geschossen hemmt, um das dahinterliegende Mauerwerk vor Schäden zu schützen. Diese – zu einem besonderen Zweck aufwändig konstruierte und geschaffene – Mauerschale gilt es als Relikt ihrer Zeit im Rahmen der denkmalgerechten Sanierung zu erhalten.

Leider sind bereits Verbindungen zwischen der vorderen Mauerschale und den dahinterliegenden Mauern zum Teil gebrochen oder zerbröselt. Grund sind unter anderem Wurzeln von Blattpflanzen, Gräsern und Kleingehölzen, die durch einen Großteil des Fugennetzes gewachsen sind. Die Statik der vorderen Mauerschale ist hierdurch stark gefährdet. 
Durch die Sanierung der Mauern soll auch verhindert werden, dass sich die vordere Mauerschale großflächig löst und abrutscht. Hierdurch wäre das dahinterliegende Mauerwerk der Witterung und den Umwelteinflüssen ungeschützt ausgesetzt. Ein Teil des Denkmals würde unwiederbringlich verschwinden. 

Die nördlich anschließende Stichwand ist ein erhaltenes Teilstück der Flanke zum Orillion. Das Orillion wurde vor ca. 40 Jahren auf dieser Seite nachgebildet, um die Ausmaße und Strukturen des Festungsbaus in ihrer ursprünglichen Dimension erlebbar zu machen. 

Kosten und Förderung
Mit der Sanierung des östlichen Abschnittes wurde 2019 begonnen. Aufgrund der hierbei festgestellten Schäden entstand ein Kostenrahmen, der durch die Stadt Wesel nicht getragen werden konnte. In der Folge wurden die Arbeiten 2020 eingestellt. Durch die Arbeiten sind bereits 200.000 Euro investiert worden.

Weitere 550.000 Euro werden benötigt, um diesen ersten Bauabschnitt (östlicher Teil) abzuschließen. 

Dank der frohen Botschaft der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, können die Arbeiten fortgesetzt werden. Wesel erhält 275.000 Euro aus dem Denkmalförderprogramm des Landes NRW. 

Um die Wallmauer komplett zu sanieren (westlicher Teil der Wallmauer sowie das Teilstück der Flanke), werden zusätzlich Kosten von etwa eine Millionen Euro geschätzt. Für die beiden Bauabschnitte (Flanke zum Orillion und westliche Wallmauer) hat die Stadt Wesel Fördermittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien beantragt. Aufgrund eines Beschlusses des Haushaltsausschusses des Bundes am 19. Mai 2021 ist davon auszugehen, dass die Stadt Wesel 400.000 Euro bewilligt bekommt. Dazu ergänzend sieht der Finanzierungsplan vor, dass die Stadt Wesel bis zum 01. Oktober 2021 einen Förderantrag zum Denkmalförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen zum Programmjahr 2022 stellt.

Von links: Dezernentin Annabelle Brandes, Alexandra Kelemen (Denkmalschutz Stadt Wesel), Ministerin Ina Scharrenbach, Charlotte Quik (MdL), Thorsten Hummel (Gebäudeservice Stadt Wesel), Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Dezernent Rainer Benien

Quelle: https://wesel.de/rathaus-online/alle-aktuellen-meldungen/wallmauer-der-historischen-zitadellenanlage-wesel-wird

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