12. Februar 2021 / Allgemein

Eselorden: Zeit für ein Telefonat mit Ulla Hornemann

Wesel App NEWS

Allein die Tatsache, dass man den einen oder anderen Mitmenschen darauf hinweisen muss, dass Karnevalszeit ist, zeigt, was 2021 fehlt. Der Karneval ist Gemeinschaft, gute Laune, positive Energie. Die entlädt sich dann regelmäßig unter anderem bei der Eselordensverleihung am Karnevalssonntag in der Niederrheinhalle. Nicht in diesem Jahr. So wird aus der glühenden Standleitung, die zur fünften Jahreszeit von der Casa Ulla Hornemann zu WeselMarketing verläuft, ein kaum genutzter Kommunikationskanal. Zeit für ein Telefonat!

Die Präsidentin des Närrischen Parlaments freut sich über den Anruf von Sonja Christ, Mitarbeiterin von WeselMarketing. Wo sonst letzte Abstimmungsprozesse zu Zeitplänen, Künstlern*innen und Programmabläufen stattfinden, entsteht ein lockeres Gespräch. Ausgangspunkt ist die Frage nach Fotomaterial von der ersten Eselordenverleihung im Jahr 1972. Der Voerder Gemeindedirektor Adolf Urban ritt damals auf einem echten Esel in die Niederrheinhalle ein und erhielt von Günther Detert, dem damaligen Bürgermeister Wesels, Orden und Urkunde.

Die wilden 80er
Mit den Worten „Warten Sie, ich hole mal meinen Ordner“, entfernt sich Hornemann vom Telefon, um dann mit einem bunten Strauß humoristischer Geschichten zurück zu kommen. Die kreisen insbesondere um die Eselordenverleihungen ab den 1980er-Jahren. Ergänzend empfiehlt sie das Werk „Die Historie des Eselordens der Stadt Wesel“ von Heinrich Reginald Anschütz (Jahrbuch Kreis Wesel 2012), das auch zu ihrem Fundus gehört. Von der ersten Verleihung bis 2011 sei dort eine Menge an Geschichten und Anekdoten zu finden.

Sofort in den Kopf schießen Ulla Hornemann die Jahre 1982 und 1983. 1982 kamen so viele Besucher zur Verleihung an Hans Rosenthal, dass der damalige Pächter der Niederrheinhalle, Ernst Simon, nicht wusste, wie er die Menschenmassen vertreiben sollte, die noch in die überfüllte Halle drängten. „Die Gäste wollten das Rolltor eintreten, der kleine Pächter wurde von den Feierwütigen fast überrannt“, berichtet Hornemann. 1983 gab es gleich das nächste Highlight für die heutige Präsidentin des Närrischen Parlaments: „Helga Feddersen war wirklich spektakulär. Damals hatte sie ja ihren Hit `Die Wanne ist voll´ und die Ratsherren brachten sie in einer Badewanne in die Halle. Alle Herren waren in hautengen Ringelanzügen kostümiert, zum Schreien komisch. Aber es ist ja Karneval und Helga Feddersen tanzte mit dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Schneider bis dieser ein Sauerstoffzelt brauchte. Immer wieder sprang sie auf den Bürgermeister und der wilde Ritt nahm kein Ende“, lässt Hornemann die ausgelassene Veranstaltung zu Ehren der Hamburger Schauspielerin Revue passieren.

Frisiert wie Guildo Horn
Viele Geschichten kann sie auch aus ihrer Präsidentschaft seit 1996 erzählen. Sie lacht herzlich beim Gedanken an Guildo Horn. Zur Verleihung 2018, in der er die karnevalistische Hauptrolle spielte, kamen unzählige Bekannte und Karnevalisten mit Guildo Horn-Perücke. Auf Hornemanns Anraten hatten sie sich alle bei demselben Versandhandel für Karnevalsartikel mit dem charakteristischen Haarteil eingedeckt. Der Internetshop ging beinahe in die Knie und konnte die Nachfrage kaum bedienen. Vom Geschäftsführer des Krankenhauses bis zur Reinigungskraft haben dann rund 80 Perückenträger aus Wesel die Bühne mit Guildo zusammen gestürmt. Ulla Hornemann vermutet, dass der Versandhändler im darauffolgenden Jahr auf einem Lager voller Guildo Horn-Perücken sitzen blieb. 

Diese und viele weitere Anekdoten – auch aus einer Zeit, in der nicht jeder ein Handyvideo hochladen konnte, in der die Aufnahmen auch in Schwarz-Weiß Glanz versprühten – sie werden in Ulla Hornemanns Wohnzimmer zur lebendigen Geschichte einer echten Traditionsveranstaltung. Und so verabschieden sich die beiden Gesprächspartner*innen in dem Wissen, dass es auch in 2021 einen 11.11. gibt, den Startpunkt einer Zeit, die besondere Geschichten schreibt.

Weitere Informationen zum Eselorden und eine Liste der Eselordenträger finden Sie
unter
https://www.wesel.de/kultur-freizeit/stadtportrait/persoenlichkeiten/eselordentraeger

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