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Gedenken an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938

Gemeinsam mit dem Jüdisch-Christlichen Freundeskreis Wesel e. V. hat Bürgermeisterin Ulrike Westkamp einen Kranz zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 am Mahnmal am Willibrordi-Dom niedergelegt. 

Grußwort der Bürgermeisterin
Sehr geehrter Herr Jung,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

noch im Februar dieses Jahres hat die Stadt der Zerstörung Wesels zum 75. Jahrestag gedacht. In einem würdevollen Rahmen erinnerten wir an die verheerenden Bombenangriffe.

Wesel lag damals in Schutt und Asche – aufgrund von Rassenwahn, dem Faschismus und damit einhergehenden Gräueltaten der Nationalsozialisten.

Nur wenige Tage nach unserer Gedenkveranstaltung „Nie wieder Krieg“ machte die hessische Stadt Hanau bundesweit Schlagzeilen: Zehn Menschen wurden von einem Fanatiker, der von Hass geleitet und von Verschwörungstheorien geblendet war, brutal ermordet.

Diese feige Tat reiht sich in ein Kapitel rechter Anschläge in Deutschland ein. Der Mord an diesen zehn Menschen, der Mord an Walter Lübcke, der Mord an zwei Menschen bei einem antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle und die Morde des NSU belegen, dass „Fremdenhass“ auch in Deutschland noch immer gegenwärtig ist.

Als vor über 80 Jahren – in der Nacht vom 9. Auf den 10. November 1938 - Menschen in Deutschland wegen ihres Glaubens verfolgt und verschleppt, ihre Geschäfte und Gotteshäuser verwüstet und niedergebrannt und viele Menschen ermordet wurden, hatte sich „Fremdenhass“ dramatisch in Deutschland ausgebreitet.

Es ist unsere Bürgerpflicht, an diese Gräueltaten zu erinnern. Es ist unsere Bürgerpflicht, trotz der Corona-Pandemie die Jüngeren zu mahnen. Zu mahnen und zu warnen vor Faschismus und Krieg, damit sich solch ein dunkles Kapitel unserer Geschichte nicht wiederholt. Corona und auch kein anderes Virus, keine andere Krise dürfen Grund sein, dieses Gedenken wegzuschieben.

Jedes Jahr organisiert der Jüdisch-Christliche Freundeskreis e. V. zahlreiche Gedenkveranstaltungen, um uns allen die Verbrechen der Nationalsozialisten vor Augen zu halten. Viele Jahre hat uns am 9. November unser Ehrenbürger Ernest Kolman begleitet.

Mit seinem Engagement mahnt er uns, wachsam zu sein. Jedes Jahr, wenn er in Wesel war, besuchte er die weiterführenden Schulen. Dort hielt er Vorträge und suchte den Dialog mit den jungen Menschen. Wichtig war und ist ihm, daran zu erinnern, welche brutalen, feigen Verbrechen die vom Hass erfüllten Nationalsozialisten gegen Menschen in unserer Gesellschaft verübt haben.

Auch seine Familie war Opfer dieser fürchterlichen Gewaltverbrechen. Als Kind floh er aus Deutschland in einem der sogenannten „Kindertransporte“ nach England. Seine Eltern sollte er nie wiedersehen.

Der Rat der Stadt Wesel hat ihm als Zeichen seiner Friedensarbeit 2016 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Wesel verliehen.

Leider konnte er in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht nach Wesel reisen. Ich stehe mit ihm im Kontakt. Es geht ihm soweit gut. Lediglich das durch das Corona-Virus zum Erliegen gekommene gesellschaftliche Leben macht ihm zu schaffen. Er lässt alle seine Freunde immer herzlich grüßen.

Auch andere Organisationen, wie die Deutsche Kriegsgräberfürsorge, heben immer wieder hervor, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen. Vor allem in diesen Zeiten, in denen Verschwörungstheoretiker und rechte Fanatiker ihre kruden Gedanken lauthals herausschreien.

Besonders freut mich, dass in diesem Jahr alle Parteien im Weseler Stadtrat gemeinsam Flagge gezeigt haben. Flagge für ein tolerantes, weltoffenes, buntes, vielfältiges Wesel. Flagge für ein gastfreundliches Wesel. Flagge für Vesalia Hospitalis.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich danke allen Vereinen, Institutionen, Parteien und Gruppen, die sich entschieden für ein weltoffenes Wesel einsetzen und damit klare Kante gegen Rassismus und Fremdenhass zeigen.

Einer der wesentlichen Initiatoren für diesen Einsatz ist der Jüdisch-Christliche Freundeskreis e. V.. 


 

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